Im Schnitt sitzt einer, seit die Timeline noch aus Holz war,
seit Monitore hinten dicker waren als Karrieren,
seit Kaffee noch Kaffee hieß und nicht:
Produktionsrealität im Pappbecher.
Er kommt rein wie ein Feiertag mit Zugangskarte,
alle flüstern: Da ist er,
der Mann, der aus Rohmaterial angeblich Sinn macht,
obwohl der Sinn meistens vorher schon da war.
Er nickt langsam,
als würde er gerade die Dramaturgie Europas retten,
klickt zweimal falsch,
nennt es Instinkt.
Die Producer lächeln.
Die Chefs lächeln.
Selbst der Server macht kurz ein Geräusch,
als wolle er applaudieren.
Er sagt: Das muss atmen.
Und alle halten die Luft an.
Er sagt: Da fehlt Gefühl.
Und löscht die einzige Szene mit Gefühl.
Dann kommt ein Schnitt,
stumpf wie ein Messer im Kantinenbesteck,
aber im Raum steht plötzlich Weihrauch,
wahrscheinlich aus der Klimaanlage der Hierarchie.
Er braucht einen besseren Platz.
Er bekommt ihn.
Er braucht mehr Zeit.
Er bekommt sie.
Er braucht Ruhe,
Licht,
Verständnis,
ein neues Tool,
noch ein neues Tool,
ein anderes Projekt,
weniger Stress,
mehr Vertrauen.
Wir brauchen auch etwas,
sagen wir nicht,
weil man in diesem Haus Wünsche besser faltet
und unter der Tastatur versteckt.
Er ist mit allen per Du,
sogar mit der Zukunft,
die ihm jeden Morgen höflich die Tür aufhält
und fragt, ob es heute wieder bequem sein darf.
Wenn er patzt, heißt es Handschrift.
Wenn wir patzen, heißt es Problem.
Wenn er schweigt, ist es Konzentration.
Wenn wir schweigen, sind wir schwierig.
Man nennt ihn erfahren,
weil niemand mehr weiß,
wann Gewohnheit aufgehört hat
und Legende angefangen wurde.
Abends leuchtet sein Bildschirm noch,
ein kleines Goldenes Kalb mit Tastatur,
und wir gehen raus in die Stadt,
wo die Ampeln wenigstens ehrlich rot sind.
Vielleicht ist das der Trick:
Wer lange genug mittelmäßig bleibt,
wird irgendwann nicht mehr geprüft,
sondern verehrt.